Die Wut, die bleibt – und die Liebe, die uns verbindet

Über Gewalt gegen Frauen, stilles Funktionieren und den Weg zurück in Verbundenheit

Manche Abende unterhalten.
Andere verändern etwas.

Der Theaterabend mit Die Wut, die bleibt von Mareike Fallwinkl (Bühnenfassung von Jorinde Dröge und Johanna Vater) im Schlosstheater Celle war für mich kein klassisches Kulturerlebnis.
Er war ein Spiegel.
Ein Erinnern.
Ein leises, aber unüberhörbares Innehalten.

Denn dieses Stück erzählt nicht nur eine Geschichte.
Es legt Schichten frei, die viele Frauen kennen – und lange nicht benennen konnten.

Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter

Wenn wir von Gewalt gegen Frauen sprechen, denken viele zuerst an das Offensichtliche:
körperliche Übergriffe, Grenzverletzungen, sichtbare Spuren.

Dieses Stück zeigt: Gewalt ist oft vielschichtiger.

Es macht sichtbar:

  • die gesellschaftlich erwartete Pflicht zur Care-Arbeit

  • das selbstverständliche Zurückstecken

  • das Funktionieren über eigene Grenzen hinaus

  • das schlechte Gewissen, wenn eine Frau einmal nicht trägt

Und ja: Es zeigt auch körperliche Gewalt – eindrücklich, klar, unbeschönigt.

Gerade diese Verbindung ist entscheidend.
Denn laute Gewalt entsteht selten isoliert.
Sie wächst oft auf einem Boden aus Anpassung, Unsichtbarkeit und Normalisierung.

Das stille Dienen – und das langsame Verschwinden

Was mich besonders berührt hat, war dieses stille Dienen.
Nicht als heroische Aufopferung.
Sondern als etwas, das sich einschleicht.

Rollen, in die man hineinwächst, ohne gefragt zu werden.
Grenzen, die man selbst nicht mehr spürt, weil sie ständig überschritten werden.
Ein Leben im Modus: Es geht schon noch.

Viele Frauen erkennen sich hier wieder.
Ich auch.

Als Mutter.
Als Frau.
Als jemand, der gelernt hat, zu funktionieren – und sich schuldig zu fühlen, wenn es einmal nicht gelingt.

Wir sind nicht verdammt, alles auszuhalten

Und dann – ganz entscheidend – kippt etwas.

Mit der Figur Lola und ihren Freundinnen zeigt das Stück eine andere Bewegung: Nicht das Aushalten. Sondern das Sich-Wehren.

Nicht als blinder Gegenschlag. Sondern als bewusste Entscheidung:

  • Wir lernen, uns zu schützen.

  • Wir lernen, uns zu verteidigen.

  • Wir stehen füreinander ein.

Diese Szenen tragen eine enorme Kraft.
Weil sie zeigen: Wir sind nicht ohnmächtig.

Die Grundenergie zwischen Frauen ist Liebe

Eine der stärksten Botschaften dieses Abends ist eine, die viel zu selten ausgesprochen wird: Die Grundenergie, die Frauen miteinander verbindet, ist Liebe.

Nicht Konkurrenz.
Nicht Neid.
Nicht Gegeneinander.

Sondern Verbundenheit.

Wenn Frauen aufhören, sich vergleichen, bewerten oder vereinzeln zu lassen,
wenn sie sich als Verbündete erkennen, dann zerbricht ein altes Narrativ:

Wir sind nicht das „schwache Geschlecht“.

Wir sind beziehungsfähig.
Widerständig.
Und zutiefst verbunden.

Gerade in einer Zeit, in der Gleichberechtigung oft als erreicht gilt –
während die Realität vieler Frauen etwas anderes erzählt.

Auch Männer sind betroffen

Ich war an diesem Abend nicht allein.
Ich war mit meinem Mann dort.

Und auch ihn hat dieses Stück tief getroffen.
Auf eine stille, beschämte Weise.

Er hat Hochachtung vor Frauen gespürt –
und gleichzeitig Traurigkeit darüber, wie wenig Männer oft wahrnehmen,
was Frauen im Alltag tragen.

Vielleicht liegt auch hier ein Teil der Veränderung: nicht in Schuldzuweisungen, sondern im Hinschauen, Mitfühlen und Aushalten dessen, was sichtbar wird.

Und was folgt dem Erkennen?

Erkennen allein verändert noch nichts.
Aber es ist der erste Moment von Wahrheit.

Viele Frauen spüren beim Lesen:

  • Ja, das kenne ich.

  • So lebe ich auch.

  • Und ich dachte, mit mir stimmt etwas nicht.

Hier möchte ich etwas sehr klar sagen: Du bist nicht falsch.

Dein Funktionieren, dein Anpassen, dein Aushalten
waren einmal (oder sind) Schutzstrategien.

Die entscheidende Frage ist nicht: Warum bin ich so?

Sondern: Was hat mich so werden lassen – und was brauche ich jetzt?

Wenn du beim Lesen merkst, dass du Orientierung brauchst,
bevor du überhaupt an nächste Schritte denken kannst,
kann mein Beziehungskompass ein erster, ruhiger Anker sein.

Er hilft dir dabei, deine Situation einzuordnen,
belastende Muster zu erkennen
und wieder mehr Klarheit für dich zu gewinnen –
ohne Druck, ohne Selbstoptimierung, ohne vorschnelle Entscheidungen.

Hier findest du den Beziehungskompass: https://www.ina-aurin.de/beziehungskompass

Erste Schritte aus dem stillen Aushalten

Veränderung beginnt selten mit einem großen Umbruch.
Sondern mit kleinen, ehrlichen Bewegungen.

Wahrnehmen – ohne Selbstverurteilung

Wo funktionierst du noch, obwohl es dich Kraft kostet?
Wo sagst du Ja, obwohl dein Körper Nein meint?

Nicht, um dich zu kritisieren.
Sondern um dich wieder zu spüren.

Grenzen als Information verstehen

Grenzen sind kein Drama.
Sie sind Hinweise.

Ein erster Schritt kann sein:

  • eine Pause früher zu machen

  • eine Erwartung zu hinterfragen

  • etwas nicht mehr zu erklären

Nicht alleine stark sein

Eine der größten Illusionen lautet:

Ich muss das alleine schaffen.

Heilung geschieht in Beziehung.
Das zeigt auch dieses Stück:
Frauen, die sich verbünden, tragen mehr – nicht weniger.

Was, wenn du selbst nicht in der Lage bist, diese Schritte zu gehen?

Dann ist das kein Versagen.
Dann ist das Information.

Gerade nach belastenden oder verletzenden Beziehungserfahrungen
ist Nicht-Handeln oft eine Überlebensstrategie gewesen.

Wenn dein Körper blockiert,
brauchst du nicht mehr Disziplin,
sondern mehr Halt.

Manchmal beginnt Veränderung nicht mit einem Schritt,
sondern mit dem Satz:

Ich kann das gerade nicht alleine.

Wo ich dich begleiten kann

Ich begleite Frauen (und Männer) nach belastenden Beziehungserfahrungen dabei,

  • ihre Muster zu verstehen

  • wieder Zugang zu Körper und Grenzen zu finden

  • sich aus dem reinen Funktionieren zu lösen

  • und Schritt für Schritt in ein selbstbestimmteres Leben zurückzukehren

traumasensibel, nicht therapeutisch,
mit Raum für Tempo, Zweifel und echte Prozesse.

Manchmal beginnt das mit einem Gespräch.
Manchmal mit einem ersten inneren Innehalten.
Und manchmal einfach mit dem Gefühl:

Ich werde gesehen – ohne mich erklären zu müssen.

Wenn dieser Text etwas in dir berührt

Dann nimm das ernst.

Du darfst dich fragen:

  • Was möchte ich nicht länger aushalten?

  • Was brauche ich jetzt – wirklich?

  • Und wer könnte mich dabei begleiten?

Du musst diesen Weg nicht allein gehen.

Für ein Leben im Goldseele-Flow. 💛

Weiter
Weiter

Wenn Alltag anstrengend wird