Kein innerer sicherer Ort?

Warum wir einen inneren sicheren Ort suchen – und warum er sich manchmal (noch) nicht zeigt

„Ich habe eine App ausprobiert, die mir Heilung versprach“, erzählte mir eine Coachee vor einiger Zeit.
„Sie hat mich durch verschiedene persönliche Ereignisse geführt, ließ mich innehalten, reflektieren und schließlich sollte ich in einer Meditation zu meinem inneren sicheren Ort reisen.“

Die Stimme war ruhig, die Anleitung klar. Alles klang sinnvoll.
Doch je länger sie suchte, desto leerer wurde es in ihr.

„Ich hörte jedes Wort“, sagte sie, „aber ich kam nirgendwo an. Kein Bild. Kein Gefühl. Nur Ablenkung, Unruhe – und am Ende war ich einfach traurig.“

Viele Menschen machen genau diese Erfahrung. In Meditationen, Apps, Coachings oder therapeutischen Kontexten begegnet ihnen die Einladung, einen inneren sicheren Ort zu finden – einen Platz in sich, der Ruhe, Schutz und Geborgenheit vermitteln soll. Und grundsätzlich hat diese Übung einen guten Grund: Ein solcher innerer Ort kann dem Nervensystem helfen, Stress zu regulieren, sich selbst zu beruhigen und Stabilität aufzubauen.

Doch darüber wird selten gesprochen: Nicht jeder Mensch hat sofort Zugang zu einem solchen inneren Ort. Und wenn er sich nicht zeigt, bedeutet das nicht, dass etwas mit dir nicht stimmt. Manchmal bedeutet es nur, dass dein Nervensystem noch keinen sicheren inneren Bezugspunkt abspeichern konnte – oder dass der Zugang dazu Zeit braucht.

Viele Menschen tragen diesen Zweifel lange mit sich herum. Sie wissen rational viel über sich, haben vielleicht Bücher gelesen, Therapie gemacht, reflektiert, verstanden. Und trotzdem bleibt innerlich eine Grundanspannung. Beziehungen fühlen sich schnell überwältigend an oder werden vorsichtshalber auf Abstand gehalten. Der Alltag funktioniert, aber im Hintergrund läuft ständig ein leiser Alarm.

Wenn dann eine Übung sagt: „Geh zu deinem inneren sicheren Ort“, entsteht statt Ruhe manchmal Leere. Oder Nebel. Oder Traurigkeit. Und fast automatisch folgt der Gedanke: Mit mir stimmt etwas nicht.

Aus traumasensibler Sicht ist meist etwas anderes wahr.

Ein innerer sicherer Ort entsteht nicht allein durch Fantasie. Er entsteht durch Erfahrung. Durch wiederholte Momente, in denen das Nervensystem tatsächlich Sicherheit erleben durfte – durch Schutz, durch Resonanz, durch verlässliche Beziehung, durch körperliche Entspannung im Beisein anderer Menschen.

Wenn solche Erfahrungen selten waren oder sich unsicher angefühlt haben, fehlt manchmal schlicht die innere Vorlage, auf die das System zurückgreifen könnte.

Dann reagiert es nicht mit Entspannung, sondern mit Abstand, Anspannung oder innerem Rückzug. Nicht als Blockade, sondern als logische Schutzreaktion.

In der traumasensiblen Arbeit gilt deshalb ein wichtiger Perspektivwechsel: Der innere sichere Ort ist für viele Menschen kein Startpunkt. Er ist ein möglicher Entwicklungsschritt. Bevor Sicherheit innen spürbar wird, braucht es oft zuerst Sicherheit im Außen – kleine regulierende Erfahrungen im Alltag, verlässliche Begegnungen, körperliche Orientierung, Momente, in denen das Nervensystem tatsächlich ein wenig aufatmen darf. Sicherheit entsteht durch Erfahrung, nicht durch Anforderung.

Wenn sich bei dir kein innerer sicherer Ort zeigt, kann das bedeuten, dass dein System lange im Alarmmodus gelebt hat. Dass du gelernt hast zu funktionieren, statt dich sicher zu fühlen. Dass dein Nervensystem dich immer noch vor Überforderung schützt. Und dass Ruhe für dich vielleicht zuerst über äußere Stabilität entsteht, nicht über innere Bilder.

Das ist kein persönliches Versagen. Es ist eine verständliche Anpassung.

Statt Druck aufzubauen, kann es hilfreicher sein, die Aufmerksamkeit auf kleine reale Momente zu richten: Wo im Alltag fühlt sich etwas minimal leichter an? Wann kann dein Körper für einen Moment aufatmen? Welche Situationen geben dir ein kleines bisschen Orientierung? Für manche beginnt Sicherheit nicht in großen inneren Visionen, sondern in sehr einfachen Erfahrungen – warmes Wasser auf der Haut, ein ruhiger Spaziergang, Musik, ein stiller Raum, ein Gespräch mit einem Menschen, der präsent bleibt.

In meiner Goldseele-Begleitung arbeite ich traumasensibel, aber nicht therapeutisch. Das bedeutet, wir gehen nicht zurück in belastende Szenen und niemand muss alte Erfahrungen erneut durchleben oder detailliert erzählen. Stattdessen arbeiten wir mit dem, was sich heute zeigt – mit Reaktionen, Beziehungsmustern, Körpersignalen und inneren Schutzstrategien im Hier und Jetzt. Wenn sich der Umgang im Heute verändert, kann sich auch das Alte Schritt für Schritt lösen – behutsam, sicher und im eigenen Tempo.

Vielleicht fehlt dir also kein innerer sicherer Ort. Vielleicht entsteht er gerade erst. Die Tatsache, dass du bemerkst, dass du suchst, dass dich das berührt, dass vielleicht Traurigkeit auftaucht, ist kein Rückschritt. Oft ist es der Moment, in dem das Nervensystem beginnt, ehrlich zu werden. Und Ehrlichkeit ist der Anfang von Veränderung – nicht durch Druck, sondern durch Sicherheit, durch Beziehung und durch kleine Schritte im Heute.

Wenn du spürst, dass dich dieses Thema betrifft, findest du hier (link zum kostenlosen Kennenlernen) meine traumasensible Goldseele-Begleitung und Mikroangebote (Link zum Shop), die dich Schritt für Schritt unterstützen – ohne dass du sofort einen inneren sicheren Ort spüren musst.

Weiter
Weiter

Die Wut, die bleibt – und die Liebe, die uns verbindet